Ein Augenpaar blitzt auf in der tiefschwarzen Spätsommernacht. Michael Meister zuckt kurz zusammen. Ganz sicher ist er nicht, und doch: Seit diesem Moment lässt ihn das Gefühl nicht mehr los, den Wolf zum ersten Mal gesehen zu haben. Gewissheit über das unheilvolle Wirken des sagenumwobenen Raubtiers hat der 52-jährige Schäfer in diesen Neumond-Nächten Ende August jedoch immer erst, wenn sich die Dunkelheit langsam zurückzieht und es hinter der Wachsenburg zu dämmern beginnt. Denn sobald das erste Licht auf den Truppenübungsplatz Ohrdruf fällt, entscheidet sich, ob es ein guter Tag für Michael Meister wird. Ein guter Tag wird es dann, wenn der Wolf nicht zugeschlagen hat.
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