In meinem Vortrag über Künstliche Intelligenz in der Musik- und Audio-Produktion begann ich zunächst mit einem ungewöhnlichen Einstieg: Ich präsentierte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen eigens für sie produzierten Weihnachtssong. Dieser war in kürzester Zeit allein anhand eines Textprompts von der KI-Software Suno generiert worden und beinhaltete sämtliche Vornamen der Zuhörenden. Das Ergebnis klang, als hätte Frank Sinatra mit einer Big Band den Song aufgenommen – ein eindrucksvoller Beweis dafür, wie weit die Technologie bereits fortgeschritten ist und wie einfach es heute ist, auf Knopfdruck komplex klingende Musik zu erzeugen.
Anschließend warf ich einen Blick zurück ins Jahr 1989 und zeigte ein Bild der damaligen Cubase-Version von Steinberg. Schon zu dieser Zeit wurde über „Cheating“ beim Musikmachen mit Computersoftware diskutiert. Heute ist klar, dass ohne solche technischen Entwicklungen ganze Musikgenres gar nicht erst entstanden wären. Vor diesem Hintergrund betonte ich, wie entscheidend KI für die zukünftige Entwicklung der Musikproduktion ist. Gleichzeitig verwies ich jedoch auf die Risiken: Eine aktuelle SISAC-Studie prognostiziert, dass Urheberinnen und Urheber bis 2028 etwa ein Viertel ihrer Einnahmen verlieren könnten. Diese Ambivalenz – große Chancen auf der einen, erhebliche Gefahren auf der anderen Seite – verdeutlicht, wie wichtig ein verantwortungsbewusster Umgang mit KI ist.
Im weiteren Verlauf stellte ich mich als Person sowie mein Buch „Künstliche Intelligenz in der Musik- und Audioproduktion“ vor, das am 14. Januar 2025 erscheint. Darin werde ich vertiefend auf viele der im Vortrag angerissenen Themen eingehen.
Zentral war die Erläuterung der Funktionsweise neuronaler Netzwerke, bestehend aus Eingabe-, versteckten und Ausgabeschichten, sowie deren Zusammenspiel. Praktische Beispiele zeigten, wie einfach es inzwischen ist, mithilfe von Textprompts komplette Songs zu generieren. Dabei präsentierte ich die Webpräsenzen von Suno und Udio und führte vor, wie schnell eine KI aus wenigen Vorgaben ein fertiges musikalisches Werk schafft.
Ein weiteres zentrales Thema war der Umgang mit Stimmen. Ich demonstrierte Tools, mit denen man mittels KI Vocals erzeugen, verändern oder analysieren kann, darunter Synthesizer V, Ace Studio, Audimee, SoundID, Voice AI, Vocoflex, Musicfy und Eleven Labs. Diese erlauben es, Stimmen künstlich zu erschaffen, in Echtzeit umzuwandeln oder sie an bekannte Künstlerstimmen anzulehnen. Auch zur Bearbeitung und Optimierung von Audiomaterial gibt es zahlreiche Tools wie Adobe Podcast, RX11 von iZotope sowie verschiedene Softwarelösungen zum Zerlegen von Audiotracks in einzelne Bestandteile (Stems). Hier nannte ich Anwendungen wie lalal.ai, Fadr, RipX, Logic Pro, iZotope RX11 und Musicfy.
Darüber hinaus betrachteten wir Tools, die Musiker und Produzenten unterstützen, indem sie z. B. KI-gesteuerte „Session Player“ bereitstellen. Hierzu zählten unter anderem das XO-Plugin von XLN, Immersion Drums, Synplant 2, Captain Chords und Synth GPT. Auch für den Bereich Mastering stehen KI-Lösungen zur Verfügung: iZotope Ozone, die Mastering-Plattform LANDR sowie der Mastering Assistant in Logic Pro übernehmen komplexe Arbeitsschritte und automatisieren sie.
Für DJs wiederum bietet die KI ebenfalls neue Möglichkeiten: Anhand von Anwendungen wie Djay und DJ Studio besprachen wir, wie KI den DJ-Alltag erleichtern kann, etwa beim automatisierten Mixen von Tracks.
Nicht zuletzt widmete ich mich den rechtlichen Fragestellungen. Darf man einen von ChatGPT geschriebenen Song als eigenen ausgeben? Was, wenn dieser bestehende Urheberrechte verletzt? Ist es zulässig, einen mittels Suno oder Udio erzeugten Titel auf Streaming-Plattformen zu veröffentlichen? Und wie sieht es mit KI-Stimmen aus, die wie bekannte Künstlerinnen und Künstler klingen? Wir diskutierten aktuelle Klagen, u. a. von der GEMA gegen OpenAI sowie von Warner und Sony gegen Anbieter wie Suno und Udio. Hier wurde deutlich, dass die rechtliche Situation keineswegs geklärt ist und dass Kreative, Labels und Entwickler sich dringend mit diesen Fragen auseinandersetzen müssen.
Abschließend warfen wir einen Blick in die Zukunft. Die rasante Entwicklung der KI wird die Musik- und Audio-Produktion in den kommenden Jahren weiter transformieren. Neue kreative Potenziale, effiziente Produktionsabläufe und völlig neuartige Klangästhetiken stehen ebenso im Raum wie Einnahmeverluste für Urheber, komplexe Urheberrechtsprobleme und ethische Fragen. Der Umgang mit KI in der Musikindustrie erfordert also nicht nur technisches Know-how, sondern auch juristisches Verständnis, künstlerische Sensibilität und einen klaren Blick auf die gesellschaftlichen Auswirkungen.
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