Danach können Sie nicht mehr ohne uns«, ver-
spricht Ben Streubel. Die Antwort der mehr als
600 Zuschauer: tosender Applaus. Es ist 20 Uhr --und das Kurfürstliche Schloss in Mainz voll prickelnder Premierenluft. Doch es ist nicht nur Premiere für die Tour,sondern auch für ein neues Gesicht: Alexandra Kamp betritt die Bühne. An der
Seite von Ron Spiess, in einem spektakulären Kleid
und mit einem spektakulären Lachen - das be
reits zum Einsatz kommt, als Ben Anekdoten über die Koffer zum
Besten gibt, die für die neue Lyrix-Lady über Berg und Tal gekarrt
wurden. Dann: Licht aus! Umrahmt von rotem Samt und goldenen
Wänden, untermalt von Satzfetzen, wehen Bilder über die spar-
same Kulisse: Feuer und Wasser, Mond und Erde, Trauer und
Glück ... Ron und Alexandra verleihen bekannten Hits neue Noten,
wühlen sich, die Übersetzungen von SWR3-Moderatorin Regina
Beck im Gepäck, durch Bedeutungsschichten. Der Gotye-Ohr-
wurm »Somebody That I Used To Know« wird durch den stimm-
gewaltigen Ron aggressiv und leidenschaftlich. Alexandra zeigt ihr
Können in den kleinen Gesten: eine zuckende Schulter, vor Frust
gespreizte Finger, ein resigniertes Nicken. Begreift man die Songs
auch ohne Live-Lyrix? Ben prüft das Publikum, will wissen, wovon
»Another Cup Of Coffee« von Mike And The Mechanics handelt.
»Kaffee?«, rät eine Zuschauerin. »Wir leisten hier ja Aufklärungs-
arbeit«, beruhigt Bennibär. »Another Cup of Coffee« handelt übri-
gens vom Ende einer Liebe: »Soll das bedeuten, dass nichts für ewig
bleibt?« - »Zeit spielt keine Rolle mehr«, bekennt Alexandra wieder
um in Shakiras »Je l'aime à mourir«. »Weil Gott längst aufgehört
hat, ein fairer Punktrichter zu sein«, beklagt sich Ron in George
Michaels »Praying for Time«. Und: »Das war kein One-Night-Stand«,
beteuert er in Trains »Drive By« - ironisch gebrochen durch Alexan
dras imaginäres Geigenspiel. Witzig und magisch zugleich ist es, wie
Ron als Astronaut mit breitem Grinsen unter seinem Astronauten-
helm zu David Bowies »Space Oddity« herumtorkelt. Und einfach
atemberaubend, wie mit Udo Lindenbergs bisher unaufgeführter
Hermann-Hesse-Ode »The River« noch eine Premiere gefeiert wird,
während die Zuschauer in Mainz die darin besungene »Art of Liste-
ning« bis zur Perfektion umsetzen. SWR3 Live-Lyrix, das bedeutet
»Lieder erst wirklich verstehen«, stellt Sabine aus Zornheim fest.
Als die Show im prasselnden Applaus zu Ende geht, hat Ben sein Ver-
sprechen so gut wie gehalten: Kann hier noch jemand ohne die
Live-Lyrix? Vielleicht. Aber: Will es noch jemand?
Musik? Theater? Poesie? Die Live-Lyrix sind das alles auf einmal und noch viel mehr. Hier geht es nicht um die bloße Übersetzung. Es geht darum, die Aussage eines Songs in seinen Tiefen zu entdecken und seine Bedeutung zu fühlen: von Gänsehaut, Tränen und Hoffnung bis zu Zynismus, Wut und Witz. Dafür geben die Beteiligten hinter den Kulissen und auf der Bühne alles. So originell und simpel wie die Idee ist auch die Umsetzung.Man nehme: eine dunkle Bühne, ein paar Kerzen, Accessoires. Man füge hinzu: Regina Becks Gespür fürs Wort, Ben Streubels Licence to Thrill und zwei Schauspieler, für die eine neue Berufsbezeichnung erfunden werden müsste. Denn was Alexandra Kamp und Ron Spiess vor reduzierter Kulisse aufführen, ist kein
schlichtes Schauspiel, ist ein Spiel mit Nuancen, mit den Facetten eines Songtextes. Was herauskommt? Ein Publikum, das sich der Faszination der Live-Lyrix nicht entziehen kann.
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Weitere Infos und Termine unter 07221 -- 300 300 und auf swr3club.de
Was viele vielleicht nicht wissen -- Alexandra ist ein SWR3-Land-Kind! Aufgewachsen in Baden-Baden und natürlich SWR3-Hörerin. Beim New-Pop-Festival hat sie über Jahre hinweg immer wieder die Live-Lyrix-Shows besucht und gespürt: „Das möchte ich auch mal machen!" Das wiederum wusste Lyrix-Schauspieler und Sprecher Ron Spiess und schickte gleich mal eine Mail an Alexandra, die sofort zusagte. SWR3-Live-Lyrix-Moderator Ben Streubel freut sich auf den prominenten Neuzugang.
So werden Live-Lyrix gemacht
Ben Streubel und Regina Beck treffen eine Vorauswahl der Songs, die mit auf die Bühne sollen. Ganz wichtig: Die Auswahl muss sowohl neue als auch alte Songs beinhalten.
Die Song-Liste geht dann direkt an Ron und Alexandra. Die prüfen die Lieder nach ganz anderen Kriterien: Wie kann man die Texte schauspielerisch rüberbringen? Kann der Text von beiden Schauspielern gesprochen werden? Bis zu den Proben rauschen viele E-Mails, Texte, Songs und Videos zwischen Berlin, Stuttgart und Baden-Baden hin und her...