Die Ausstellung „Auf der Leitung stehen. Unterwanderungen intelligenter Infrastrukturen“ war im Oktober 2021 in der Akademie Galerie Nürnberg zu sehen. Sie basiert auf einem Seminar, das LEONARDO initiierte und im Sommersemester 2021 offen für Studierende der Technischen Hochschule Nürnberg, der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und der Hochschule für Musik Nürnberg stand. Für die Betreuung dieses interdisziplinär angelegten Seminars wurde der Kultur- und Medienwissenschaftler Paul Feigelfeld eingeladen. Er setzte den inhaltlichen Fokus auf das Thema Infrastrukturen und ihre versteckten Intelligenzen, die unsere Welt unterminieren, versorgen und entsorgen. Kaum sichtbar treten sie in den Hintergrund, beeinflussen aber dennoch in ihrer allgegenwärtigen Präsenz entscheidend unseren Alltag.
„Das Seminar setzte sich mit der Frage auseinander, wie wir nicht nur die Institutionen, die unser Leben, unser Schaffen, unser Denken, unsere Kunst und unsere Wissenschaft prägen, kritisch in den Blick nehmen können, sondern besonders auch die Infrastrukturen – die technologischen, städtebaulichen Infrastrukturen, aber auch die botanischen, organischen und kybernetischen Infrastrukturen. In den letzten Jahren zeigte sich, dass sie in ihrer Unsichtbarkeit, Unscheinbarkeit und auch Langweiligkeit eine viel größere Rollen spielen, als wir das bisher angenommen hatten. Deswegen war es besonders gut, vor dem Hintergrund der Transdisziplinarität an das Thema ranzugehen, wofür das LEONARDO genau der richtige Ort ist, um in dem Verbindungsfeld zwischen Kunst, Technologie und Wissenschaft zu forschen.“
Infrastrukturen sind historisch gewachsen und entwickeln im digitalen Zeitalter vor dem Hintergrund sich stetig neu konfigurierender Netzwerke eine unumgängliche Relevanz. An einem geschichtsträchtigen Ort wie Nürnberg wird das auf unterschiedlichen Ebenen spürbar. Ortsspezifische, historische Infrastrukturen – wie die Nürnberger Kanalisation, die bekannte erste Eisenbahnstrecke Nürnberg-Fürth oder das ehemalige Reichsparteitagsgelände – verweben sich mit zeitgenössischen und zukünftigen Infrastrukturen. Lokale, offene Mesh-Netze, globales Machine Learning und AI Systeme sowie Crypto-Ökonomien (DAO, NFT, etc.), Deep Web und Darknet spielen hier eine entscheidende Rolle.
Im Frühjahr 2021 wurde im Rahmen des Seminars in Gruppen wie auch individuell Methoden entwickelt, um Themen dieser Art zu erforschen und Übersetzungsmöglichkeiten an den Schnittstellen von Kunst, Technologie und Musik zu erfinden. Diese reichten von historisch-kritischer Forschung und Archivarbeit über Diskussionsgruppen und Expeditionen in der Region bis hin zur Entwicklung von Soft- und Hardware oder künstlerischen Produktionen.
Aus der hochschulübergreifenden Zusammensetzung des Seminars ist in der Akademie Galerie Nürnberg eine transdisziplinäre Ausstellung entstanden, die sieben Positionen mit unterschiedliche Ansätzen aus der bildenden Kunst sowie dem wissenschaftlichen Bereich vereint. Werke mit skulpturalem Ausgangspunkt stehen neben Arbeiten mit dokumentarischem Charakter; fotografische Rechercheergebnisse werden mit wissenschaftlichen Veröffentlichungen kombiniert.
Im Videobeitrag umreißt Paul Feigelfeld die Inhalte des Seminars und die Studierenden geben Einblick in die Entwicklung ihrer Ausstellungsbeiträge. Videoauszüge vermitteln einen Eindruck des Besuchs der militärischen Übungsstadt Schnöggersburg, der in einer Kunstausstellung an dem Unort des simulierten Museumsgebäude mündete und über eine fotografische Erkundung Eingang in die Ausstellung in der Akademie Galerie Nürnberg fand.
Paul Feigelfeld ist Kultur- und Medienwissenschaftler, derzeit Fellow am IFK (Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften Wien) und Mitglied des Exzellenzclusters „Matters of Activity" an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit diesem Wintersemester ist er „Professor für Wissenskulturen im digitalen Zeitalter“ am Institut für Designforschung an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, außerdem lehrt Paul Feigelfeld im Studiengang „Crossdisciplinary strategies for global challenges“ an der Universität für angewandte Kunst in Wien.
Auf der Leitung stehen. Unterwanderungen intelligenter Infrastrukturen
2. – 24. Oktober 2021
Akademie Galerie Nürnberg
Projektteilnehmer*innen von der AdBK Nürnberg und TH Nürnberg:
Nils Göne-Weidinger (TH Nürnberg), Jason Hess (AdBK Nürnberg), Helen Hetzel (AdBK Nürnberg), Moses Krämer (AdBK Nürnberg), Denise Mathiesen (AdBK Nürnberg), Gloria Sogl (AdBK Nürnberg), Anna Tenzer (TH Nürnberg), Alexander Wilk (TH Nürnberg)
Projektleitung:
Paul Feigelfeld
Tutorin:
Anna Tenzer
Gäste im Seminar:
Christoph Engemann (Medienwissenschaft, KI, Graphen und Netze)
Sophie-Carolin Wagner (Bibliotheken, Archive, Eurozine)
Künstler*innen der Ausstellung in Schnöggersburg:
Niko Princen, Simeon Melchior, Anna Tenzer, Nils Göne-Weidinger, Anna Steward, Omsk Social Club/Penny Rafferty, Erez Israeli, Max Schmidtlein