Why Digital Detox? – Warum Digitale Entgiftung?

Опубликовано: 16 Август 2026
на канале: Erik Werner
61
0

Why Digital Detox? – Warum Digitale Entgiftung?

Wer kennt es nicht: wir beschäftigen uns mit etwas, das Telefon klingelt, wir gehen ran. Nichts wichtiges, erledigt in 15 Sekunden, zurück zur Beschäftigung. Wo war ich noch gleich? Es dauert eine Weile, bis wir wieder drin sind, die Konzentration wieder gefunden haben. Bis zur nächsten Störung, eine Textnachricht, ein Facebook-Post, oder manchmal sogar nur die Erwartung einer Nachricht.

Das Smartphone ist in den letzten Jahren zu einem ständigen Begleiter geworden, die Allgegenwärtigkeit von drahtlosen Netzwerken sorgen für ständige Erreichbarkeit und permanente Verbindung zu unseren sozialen Netzen. Dies wiederum führt zu höherem Stress, Unproduktivität, Störungen im direkten Umgang mit anderen und Schlafstörungen; und es zeigen sich sogar Merkmale von Sucht und Abhängigkeit (z.B. „internet addiction disorder“).

Der Verzicht auf digitale Kommunikation bzw. Technologie für eine definierte Zeit („digital detox“, digitaler Entzug) verspricht positive Auswirkungen. Am häufigsten genannt werden: geistige Gesundheit, verringerter Stress und Ängste, höhere Aufmerksamkeit gegenüber Umwelt und anderen Menschen, höhere Produktivität und bessere Körperhaltung.

Seriöse wissenschaftliche Untersuchungen sind noch nicht sehr weit fortgeschritten in diesem jungen Feld der Forschung. Die Quintessenz ist jedoch schon mit gesundem Menschenverstand leicht zu begreifen: Keine Aktivität kommt ohne Pausen aus! Die generelle Sinnhaftigkeit eines digitalen Entzugs für eine limitierte Zeit erscheint mir fraglich, da nach Beendigung der Pause viele dem alten Trott verfallen und dadurch positiven Auswirkungen direkt wieder zunichte gemacht werden. Oder es wird sogar schlimmer, denn es wurde ja einiges "verpasst“. Langzeit-Untersuchungen wären nötig, um dieser Frage nachzugehen.

Aus medizinischer Sicht ist der kurzeitige Verzicht sogar mehr eher zweifelhaft. Sind die gesundheitlichen Folgen des digitalen/technologischen Überangebotes so signifikant, dass man von Abhängigkeit sprechen kann, braucht es auch richtige, langfristige medizinische Betreuung und Therapie. Da ist ein nur mehrtätiger Verzicht in etwa so hilfreich wie ein dreitägiger Aufenthalt eines Alkoholabhängigen in einer Suchtklinik, der danach in die nächste Bar entlassen wird!

Es darf nicht vergessen werden, dass Soziale Medien, Erreichbarkeit und Mobilität auch viele positiven Seiten haben und wir darauf auch nicht mehr verzichten möchten, können und sollten. Der Notrufe bei der Feuerwehr, die Kommunikation mit Freunden auf dem ganzen Globus, die schnelle Orientierung in einer unbekannten Stadt, usw.

Es kommt also viel mehr auf einen ausgewogenen, wohl dosierten Umgang mit Medien und Technologie an als auf einen schlagartigen Wechsel. Ein permanenter vernünftiger, nachhaltiger Umgang mit digitalen Medien und Technologie erscheint mir daher wesentlich vielversprechender zu sein als eine (mehrtägige, seltene oder einmalige) Digital Detox Maßnahme. Entscheidend ist dabei, sich nicht von sozialen Medien und Technologie beherrschen zu lassen, sondern SIE zu beherrschen und dabei die nötigen Pausen einzulegen.

Ein diszipliniert eingehaltener Tagesablaufsplan und das Ausschalten von Störern gehören dazu. Warum z.B. nicht feste Zeiten einhalten, in denen emails beantwortet werden, eine Stunde direkt nach dem Mittag? Warum das Mobiltelefon nicht ausschalten während spezifischer Arbeitszeiten, und auch Nachts und während der Mahlzeiten. Warum nicht den tablet-Computer ausschalten für den halben Tag? Oder gleich mal ganz auf Medien verzichten, z.B. auch auf den Fernseher, drei Abende die Woche? Da bleibt dann auch viel mehr Zeit für andere Freuden des Lebens.

Erik Werner, Juli 2016
eingereicht als Bewerbung für ein Stipendium an der design akademie berlin, Studiengang Film und Motion Design