NACHTWÄCHTER WOLFGANG LIEGL EINGESPERRT! Der erste Film über den beliebten Nachtwächter und der eher kuriosen Geschichte von WO-TV www.wo-tv.eu - Walter Witzany im Interview mit Wolfgang Liegl. Regie Georg Danter
48-Jähriger wurde Montag verhaftet, weil er sich nicht an einen gerichtlichen Vergleich hielt.
Seit sieben Jahren bietet Wolfgang Liegl als „Nachwächter zu Lintze“ Führungen durch die oö. Landeshauptstadt an. Mehr als 40.000 Menschen erfreuten sich bereits an den originellen Geschichten, die der gelernte Konditor bei den Rundgängen durch das abendliche Linz zum Besten gibt. Sein lautstarkes „Gott zum Gruße“ ist inzwischen ebenso legendär wie das riesige Signalhorn, die Brottasche und die Hellebarde – die er bei den Touren stets mitschleppt.
Der Rechtsstreit mit der Fremdenführerin hatte den Nachwächter schon zuvor in die Insolvenz getrieben. Fast 100.000 Euro Schulden sollen im Lauf der Zeit angefallen sein. Für den beliebten Guide wurde deshalb – wie berichtet – auch ein Spendenkonto eingerichtet, damit er sein Konkursverfahren eröffnen konnte. Unterstützung erhielt er auch vom Linzer Bürgermeister Klaus Luger.
Wolfgang Liegl wurde am Montag aus der Haft entlassen
Um 6.45 Uhr durfte Wolfgang Liegl gestern die Justizanstalt Linz verlassen. Seine Nachtwächterführungen möchte er weiterhin anbieten. OÖN Interview
Die Erleichterung war ihm anzusehen, als Wolfgang Liegl gestern um 6.45 Uhr das Tor der Justizanstalt Pochestraße hinter sich schloss. Nach sieben Tagen exekutionsrechtlicher Haft und um drei Kilogramm leichter gestand der als "Nachtwächter zu Lintze" bekannte Liegl, dass er sich diese "lehrreiche Erfahrung" lieber erspart hätte.
Wie fühlen Sie sich jetzt, unmittelbar nach dem Ende der Haft?
Wolfgang Liegl: Es ist wie eine Befreiung, und ich freue mich, dass ich wieder in Freiheit bin.
Vor einer Woche wurden Sie mit Haftbefehl von zu Hause abgeholt. Was ist Ihnen da durch den Kopf gegangen?
Ich stand unter Schock, was sich in den ersten drei Tagen der Haft nicht geändert hat. Ich habe auch kaum etwas gegessen und insgesamt drei Kilogramm abgenommen.
Wie haben Sie den Moment vor einer Woche erlebt?
Um 6.50 Uhr hat es an der Tür meiner Wohnung geläutet. Der Gerichtsvollzieher stand da mit zwei Polizisten und einem Haftbefehl. Ich schulde ihnen Geld und müsse mitkommen, sagte er. Ich hätte zehn Minuten Zeit zum Packen. Ich konnte mir noch die Zähne putzen und wurde dann meinem Empfinden nach wie ein Schwerverbrecher abgeführt.
Wie haben Sie die sieben Tage Haft im Rückblick erlebt?
Ich bin in einer kleinen Einzelzelle gesessen, war abgeschnitten von der Umwelt und habe praktisch darauf gewartet, dass die sieben Tage vergehen. Wobei die Gefängnisleitung schon versucht hat, mir den Aufenthalt zu erleichtern. Es war ein Glück, dass ich in einer Einzelzelle untergebracht war.
Welche Gedanken sind Ihnen durch den Kopf gegangen?
Nach dem anfänglichen Schock habe ich natürlich darüber nachgedacht, wie es so weit kommen konnte. Bei mir wurde aus einer Mücke ein Elefant gemacht, und ich konnte das Urteil des Gerichtes nicht nachvollziehen. Am meisten hat mich dabei gestört, dass ich mich nicht verteidigen konnte.
Wie geht es jetzt weiter?
Der Nachtwächter macht weiter. Jetzt erst recht. Das Erste, was ich jetzt durchführen muss, ist die Insolvenz. Dann muss ein Schritt nach dem anderen erfolgen.
War es im Nachhinein gesehen ein Nachteil, den Vergleich mit der Fremdenführerin, die gegen Sie Strafanzeigen eingebracht hat, einzugehen?
Ja, es war ein ganz großer Fehler von mir. Für mich war die Sache mit dem Vergleich abgehakt. Dass es so ausartet, das habe ich nicht geahnt.
Dieser Streit ist so weit gegangen, dass Sie eine Woche ins Gefängnis mussten. Mit welchem Gefühl kehren Sie zurück?
Ich bin misstrauisch geworden und vermute hinter jeder Ecke jemanden, der darauf schaut und hört, was ich sage oder mache.
Gibt es trotz allem noch eine Möglichkeit, sich mit der Klägerin zu einigen?
Ich glaube, vonseiten der Klägerin gibt es keine Möglichkeit. Ich wollte immer einen Konsens finden, aber nach dieser Woche sage auch ich nein. Endgültig nein.
Ist die Solidarität, die Ihnen zuteil wird, eine Hilfe?
Ja, natürlich. Wobei vor allem das aufbauende Schulterklopfen der Bevölkerung gut getan hat. Die Unterstützung hat mich schon vorher bewogen, dass ich immer wieder weitergemacht habe.
Was macht Sie zuversichtlich, dass die Situation so geklärt werden kann, dass Sie nicht jeden Tag Angst haben müssen, wieder geklagt zu werden?
Ich glaube, weiter unten, als ich jetzt gewesen bin, geht es nicht mehr. Warum ich weitermache, ist klar: Es ist mein Herzblut, und ich muss Altlasten beseitigen. Ich glaube, wenn der Streit noch weiter läuft, dann machen wir uns in ganz Österreich lächerlich
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