Heute im EINE STIMME-Interview: Serdar Somuncu, der Mann, der den Deutschen "Mein Kampf" vorliest, als Comedian mit einem Programm namens "Der Hassprediger" tourt und oder als Rapper "Dicke Eier" besingt. Klingt nach Krawall, kann aber sehr viel mehr.
Somuncu begann seine Karriere nach einem Studium der Schauspielkunst als Regisseur und Schauspieler im klassischen Theater, bevor er 1996 mit seiner Lesung von Ausschnitten aus Hitler's "Mein Kampf" für Aufsehen sorgte und von der taz zum "Mann des Jahres" erklärt wurde.
Folgeprogramme wie "Hitler Kebab" und "Der Hassprediger liest BILD" machten schnell klar, dass der Mann zwar lustig, aber in seinen scharfzüngigen Analysen der Deutschen Gesellschaft durchaus ernst zu nehmen ist. Somuncu zielt verbal da hin, wo es richtig weh tut, auch wenn er dafür zeitweise mit schusssicherer Weste auftreten musste. Dass seine Kritik äußerst fundiert ist und nicht bloß auf der Bühne ein Paar Lacher provozieren will merkt man dann, wenn man sich mit seinen Buchpublikationen und Interviewauftritten beschäftigt: Titel wie "Die Türkei und das deutsche Verständnis" oder seine Statements zum politischen Tagesgeschäft zeigen die andere, sehr engagierte und reflektierte Seite des deutsch-türkischen Kabarettisten.
Damit das alles nicht zu ernst wird, hat das Multitalent Somuncu zusammen mit dem Kölner Produzenten André Fuchs gerade ein Album mit dem Titel "Wir beide" aufgenommen, das am 27. September erscheint. Sein Alias: Scheiß T. Wir räuspern uns kurz. Und sind gespannt.