Einen Aspekt an Video-Spielen übersehen wir oft, obwohl er stetig präsent ist. Die Musik. Im Eifer des Gefechts kann man sich selten auf die Klänge im Hintergrund konzentrieren. Trotzdem können sie einen extrem starken Einfluss auf unsere Wahrnehmung haben.
Doch was macht jetzt einen guten und gelungenen Video-Spiel-Soundtrack aus? Und warum scheint Fromsoftware in Elden Ring für viele in dieser Disziplin zu schwächeln?
0:00 1) Perspektive
2:23 2) Aufgaben und Relevanz von Musik in Spielen
9:33 3) Umgang mit Musik in den Souls-Spielen
11:48 4) Umgebungs-Musik und Recycling in Elden Ring*
16:50 5) Arten und Abwechslung der Instrumentierung
20:07 6) Musikalische Struktur der Tracks**
29:13 7) Versöhnung
*Anmerkung zu 4)
Selbstverständlich ist das Sounddesign einer ganzen Open World eine deutlich größere Herausforderung als bei einem Spiel mit Schlauch-Leveln wie Dark Souls. Komplett ohne Hintergrund-Musik kann ein so großes, auf offene Ebenen konzentriertes Spiel wie Elden Ring vermutlich nicht auskommen. Ein bedachtsamerer Einsatz der Ambient-Musik wäre trotzdem wünschenswert gewesen. (Musik an weniger Orten, dafür aber kein Recycling)
**Anmerkung zu 6):
Erstmal ist dieser Punkt natürlich extrem vereinfacht dargestellt. Das Publikum auf diesem Kanal besteht schließlich nicht aus Formenlehre- und Tonsatz-Dozenten. So unkompliziert funktioniert der Aufbau einer Komposition in der Praxis selten. Es gibt dementsprechend selbstverständlich deutlich mehr musikalische Form-Elemente als die genannten 4.
Passagen können zudem auch mehrere Funktionen gleichzeitig einnehmen. Eine Streckungs-Passage kann beispielsweise rückwirkend als Aufbau fungieren. Außerdem können die Abschnitte auch fließend ineinander übergehen. (Z.B. Abspaltung einer Variation wird als neues Motiv weiterverarbeitet,...)
Eine chronologische Analyse wie bei "Sir Alonne" oder "Maliketh" ergibt des weiteren in dieser Form nur Sinn, da diese Tracks eine harmonische Progression aufzeigen.
Viele Stücke haben auch eine feste rhythmisch-harmonische Abfolge als Grundlage, über die dann zusätzliche Elemente gelegt werden. In diesem Fall verschwimmen die Funktionen der Passagen natürlich. Ein Beispiel hierfür sind die Musik der "Kleriker-Bestie" in Bloodborne oder "Midra, Herr der Rasenden Flamme" (oder eigentlich jedes Stück, das in die Richtung moderner Popular-Musik geht).
Hier würde man den "Beat", beziehungsweise die Basslinie als Grundgerüst hernehmen (also weitgehend ausblenden, da er im Prinzip nichts weiter als eine harmonische Streckung über das ganze Stück hinweg ist) und sich bei der motivisch-thematischen Analyse auf die Führ-Stimmen konzentrieren.
Da im Elden Ring Hauptspiel aber kaum ein Track so funktioniert findet diese Form hier keine Erwähnung.
Jetzt, nachdem Du das gelesen hast, kannst Du auch endlich Deinen bösen, empörten Kommentar schreiben;)