Projekt 23 - Die Geschichte - 9ter Teil

Опубликовано: 29 Август 2026
на канале: muserine
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-German story project -

"Dreiundzwanzig - die teutonische Verschwörung":
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Bei Menschen gibt es viele unterschiedliche Arten, auf Extremsituationen zu reagieren. Zwei davon treten besonders häufig auf. Erstens: Auch wenn ein Mensch im Alltag dazu neigt, überzureagieren, ist es nicht unwahrscheinlich, daß er in einer Extremsituation die Nerven behält. Das Gehirn schaltet dann sozusagen auf "Auto-Pilot" und so hinderliche Gefühle wie etwa Schmerzen oder Angst werden ignoriert und überwunden, nur zu dem Zweck, aus dieser außergewöhnlichen Situation das Beste zu machen, wie z.B. sein eigenes oder das Leben anderer nach einem Unfall zu retten. Evolutionsbiologisch ist diese Reaktion äußerst sinnvoll, hilft sie dem Menschen doch, über alle Hindernisse hinweg seine Art zu erhalten. Der Sinn der zweiten, glücklicherweise nicht ganz, aber immerhin doch beinahe genauso häufigen Reaktion, läßt sich leider nur erahnen. Sie besteht nämlich darin, die Nerven nicht zu behalten, sondern sie buchstäblich komplett zu verlieren. Ob Schock oder Panik, Angst oder Schmerz, die Wucht und Unmittelbarkeit der Emotionen kann dazu führen daß sich der Verstand verabschiedet und der Mensch, nur zeitweilig oder sogar dauerhaft, dem Wahn verfällt. Und welcher tiefere Sinn steckt nun hinter dieser Reaktion? Es wird vermutet, daß es sich um eine Art Warnung handelt. Menschen, deren Gehirn in solchen Situationen quasi abschaltet, neigen dazu, sich nicht etwa ruhig zu verhalten, sondern vielmehr lautstark oder durch unübersehbare körperliche Signale auf sich aufmerksam zu machen. Andere, die dieses Schauspiel mitansehen, werden nun nicht so leicht in die Falle tappen.
Gehen wir nun zurück zu Jessica Dixon. In dieser ereignisreichen Nacht war sie bisher von einer Extremsituation in die andere geraten. Alle Menschen, denen sie bis zu diesem Moment begegnet war, teilten sich ihr entweder überhaupt nicht, oder nur auf äußerst rätselhafte weise mit. Obwohl sie von dem Moment, in dem sie auf der Lichtung erwacht war, fast ständig unter großer Angst und Verwirrtheit litt, funktionierte sie wenigstens noch halbwegs normal. Oder war das nur der Fluchtinstinkt? Denn in diesem Moment, in dem sie auf dem Boden lag und der Mann in Schwarz die Pistole auf sie richtete, war es vorbei mit ihrem gesunden Menschenverstand. Ihr schmortenn die Sicherungen durch, sie drehte am Rad, hatte nicht mehr alle Tassen im Schrank,wurde völlig plemplem, gaga, bekloppt oder wie immer man es ausdrücken möchte. Mit ihrer Reaktion, die ich hier aus Pietätsgründen nicht näher beschreiben möchte, erreichte sie zwei Dinge: Der "schwarze Mann" ergriff blitzartig die Flucht, denn so etwas hatte selbst er noch nie gesehen, und wollte es auch lieber nicht weiterverfolgen, geschweige denn das Ziel dieser äußerst ungewöhnlichen Reaktion werden. Und außerdem verschaffte Jessica sich die Aufmerksamkeit einer Person, die sie beinahe versehentlich aus den Augen verloren hatte: Nikodemus. Er war inzwischen zur Hütte zurück gekehrt, um die anderen dort zu treffen, als sie ein Geräusch hörten, welches sie sofort in Alarmbereitschaft versetzte. "Es geht los" rief Nikodemus seinen Leuten zu, und sie brachen gemeinsam auf, um der Quelle dieser markerschütternden Schreie auf den Grund zu gehen. Oder war es nicht vielleicht eher eine Art Heulen? Nikodemus grinste in sich hinein, so schnell konnte es vorbei sein mit der Geschichte vom unschuldigen kleinen Mädchen...

Musik: Arcade fire - my body is a cage