Eröffnungsrede zur Ausstellung "Die Kunst ist ein Hund, aber er will nicht gehorchen" am 22. Juni 2018 im K49 in Köln. Arbeiten von Nellie van Asten und Kwalski.
Gibt es KUNST überhaupt?
Im größeren Sinne nicht.
Nehmen wir mal diesen Tisch hier. Ein Tisch ist ein Konzept, das auf der Konvention beruht, eine gestützte, waagegerecht liegende Platte als Tisch zu begreifen.
Damit er aber auch im universellen Sinne ein Tisch wäre, müsste auch eine auf ihm landende Fliege ihn als Tisch begreifen – was sie nicht tut. Doofe Fliege! Oder doofer Mensch.
Und genauso die Kunst! Kunst ist ein menschlich initiiertes Konzept, eine Idee, geboren aus der Reflektion der Weltaneignung.
Zurück zum Tisch. Legt man ihn auf die Seite, ist er noch immer ein Tisch, aber als solcher nicht nutzbar. Und? Worauf will ich hinaus? Richtig. Kunst ist die Welt, aber auf die Seite gelegt – wodurch wir neue Blickwinkel erhalten.
Die vier großen Entwicklungsschritte der KUNST
Phase 1: Der Mensch nimmt sich im Kontrast zu seiner Umwelt war, eignet sie sich an und reflektiert über sie. Stichwort: Höhlenmalereien und Petroglyphen.
Phase 2: Tizian . Er malte – anders als seine berühmten Zeitgenossen Tintoretto oder da Vinci – nicht für einen Betrachter, sondern für sich selbst. Das bedeutet: Die Kunst wurde durch ihren Schöpfer autark und musste sich nicht mehr wie eine Prostituierte zur Schau stellen. Ein Betrachter war nicht mehr vonnöten. Das Gemälde sagte: Du, Betrachter, bist mir egal. Ich existiere unabhängig von dir. Geh weiter, du bist obsolet.
Phase 3: Marcel Duchamps Readymades. Kunst per Deklination, was in Anbetracht dessen, wohin Tizian die Kunst zuvor geführt hat, natürlich absurd ist. Ein Witz. Und genau das sollte es letztlich wohl sein.
Phase 4: Abstrakte Kunst, nicht zu verwechseln mit Abstraktion per se. Im Abstrakten ist die Kunst ein zweites Mal befreit; sie ist nun nicht mehr dazu verdammt, zwanghaft abbilden zu müssen. Zum Vergleich: Die Natur bildet sich selbst auch nicht ab; sie kreiert und IST. --- Mit der abstrakten Kunst ist ein Endpunkt erreicht. Von hier aus kommen nur noch Varianten, Umdeutungen, Konzepte …
Phase 5: Alles ist zyklisch. Beginnen wir in der Kunst also darum wieder dort, wo sie begonnen hat: NOW.
Fazit: Es gibt keine Kunst, es gibt nur die Idee davon, das Irrlichtern, dem Menschen wäre es möglich, etwas zu erschaffen, was der unbeseelten, unbehausten Natur nicht möglich ist – etwas Größeres also, als es die Welt ist. Und so etwas nennt man Hybris, und Hybris … Hybris finde ich gut. KUNST kommt im Universum nicht vor!