ERÖFFNUNG AUSSTELLUNG WIR MÜSSEN REDEN! MUSEUM ULM

Опубликовано: 26 Апрель 2026
на канале: Museum Ulm
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Im Herbst 2020 entbrannte eine nationale Debatte um die Darstellung einer schwarzen Königsfigur aus der Weihnachtskrippe, die seit 1992 alljährlich im Ulmer Münster aufgestellt wird. Geschnitzt Mitte der 1920er Jahre vom Ulmer Bildhauer Martin Scheible (1873-1954) im privaten Auftrag für eine Ulmer Familie, bedient die Figur rassistische Klischees und diskriminierende Stereotypen.

Mit der Entfernung der Figur und der Entscheidung der Münstergemeinde, die Krippe ohne die drei Könige aufzustellen, entfaltete sich ein hitziger Schlagabtausch kontroverser Meinungen in der Öffentlichkeit. Die heftigen Reaktionen bieten den Anlass für ein Ausstellungsprojekt, das die Diskussion versachlichen, Erklärungsansätze aufzuzeigen und einen Beitrag zur postkolonialen kulturellen Vermittlung in unserer Gesellschaft leisten möchte.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht einerseits die kunstwissenschaftliche Einordnung der Münster-Krippenfiguren in das Werk Martin Scheibles als einem Künstler des 20. Jahrhunderts, die Betrachtung der Dreikönigstradition und ihrer bildlichen Umsetzung durch die Jahrhunderte sowie die Bewertung der schwarzen Königsfigur im Kontext ihrer Zeit. Andererseits dient die Kontextualisierung als Anknüpfungspunkt, um über die Ausprägungen des Alltagsrassismus sowie über Ursprung, Entwicklung, Begrifflichkeiten von Rassismus allgemein und seine Auswirkungen bis heute aufzuklären.

Die Fülle der divergierenden globalen Bewegungen und Haltungen, die sich in Begriffen wie „Black Lives Matter“, „Cancel Culture“ oder „Racial Profiling“ äußern, werfen nur ein Schlaglicht auf die Tatsache, dass wir Jahrzehnte nach dem Ende von Imperialismus und Kolonialismus erst am Beginn einer Aufarbeitung der Wirkungsgeschichte des damit verbundenen Rassismus stehen. Rassistische Klischees bilden sich auch heute noch in unserem Alltag, in Sprache, Literatur, Musik, Kunst und Brauchtum ab.

Wir müssen reden! bietet den Auftakt zu einem Prozess, in dem das Museum Ulm in einen gesellschaftsrelevanten und institutionskritischen Diskurs mit Fachwissenschaftler*innen, Künstler*innen und anderen betroffenen Bevölkerungsgruppen beginnen will. Denn die kritische Aufarbeitung der global verflochtenen Kolonialgeschichte und der Dekolonisierung sowie ihrer Folgen gehört zu den wichtigsten erinnerungspolitischen Aufgaben unserer Zeit. Als Ort kultureller Bildung und Begegnung möchte das Museum Ulm hierzu einen Beitrag leisten und zu mehr Sensibilität im Umgang miteinander in einer diversen Gesellschaft aufrufen.


„Die Ausstellung „Wir müssen reden!“ des Museums Ulm setzt ein wichtiges Zeichen im Engagement gegen Rassismus, rassistische Klischees, Ausgrenzung und Diskriminierung. Wir brauchen eine Debatte über rassistische Stereotype und rassistische Ressentiments in unserer Gesellschaft, es gilt Probleme sichtbar zu machen, zu sensibilisieren und aufzuklären. Nur so kann gesellschaftliche Veränderung auf dem Wertefundament unserer Verfassung beginnen und gelingen. Die Kulturpolitik des Bundes steht für Anerkennung der Vielfalt, Austausch und Teilhabe, für ein demokratisches und weltoffenes Deutschland. Dazu brauchen wir Partner, wie das Museum Ulm. Ich bin sehr dankbar für dieses Engagement.“

Claudia Roth, Staatsministerin für Kultur und Medien im Bundeskanzleramt