Der Rauswurf

Опубликовано: 26 Июль 2026
на канале: Gerd Schinkel
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Wenn etwas von Wichtigkeit am frühen Abend passiert, was eigentlich längst fällig gewesen wäre, dann ist es trotzdem schade, wenn schon Redaktionsschluss gewesen ist und die Tageszeitung, die sich auf ihre Aktualität selbst was einbildet, es am nächsten Tag nicht einmal im Blatt hat... Aber kein Mitleid mit dem Kölner Stadtanzeiger -

und kein Mitleid mit den Akteuren des Ampel-Showdowns: Alles hat schließlich mal ein Ende und selbst wenn es einem völlig Wurst wäre, gäbe es kein zweites...

Das ist sie also gewesen und geht nun nahtlos in den Wahlkampf über... fröhliche Weihnachten Friede auf Erden. Die Turbulenzen zum Jahreswechsel bleiben uns nicht erspart, genauso wie in den nächsten vier Jahren jenseits des Atlantiks der Anstand in die Binsen geht.

Theater-Abonnements kann man sich sparen: Dramen, Tragödien und Komödien werden abwechselnd geboten, man wird sich kaum vor Omas und Opas retten können - es bleibt alles am Ende nur Farce...

Und die Selbstfreisprüche und Schuldzuweisungen, die Diskreditierungen und Ehrabschneidungen, die Rufschädigungen und Gürtellinienunterschreitungen - keiner will's gewesen sein, schon gar nicht diejenigen, die planvoll und vorsätzlich vorgingen und nun beinah flehentlich ihre Haut retten wollen.

Dieses Lied habe ich bereits wenige Stunden nach dem Ampel-Ende geschrieben und hier veröffentlicht. Es gehört nun auch definitiv in meinen Jahresrückblick 2024 und es ist heute, am 5. Januar, das vorletzte Lied dieses Jahresrückblicks.

Der Text:

DER RAUSWURF

Muss einer unfreiwillig irgendwas beenden,
dann strickt er gerne zur Erklärung an Legenden
und sagt, von langer Hand geplant wär das gemein -
und es wär schließlich sowieso ein Scheißverein…
Was da geschehen ist, das ist dann auch gewesen.
Man wird ausführlicher in den Annalen lesen,
wenn man mit Abstand etwas mehr darüber weiß,
und nicht mehr selbstverständlich sagt: Was für ein Scheiß.

Man kann selbst seinen Rauswurf gründlich provozieren,
darf sich nicht wundern, sollte das auch funktionieren:
Wer schlecht regiert, den lässt man besser nicht im Amt,
eh er die Karre an nen Brückenpfeiler rammt.
Und aufschlussreich beginnt danach gleich das Theater:
Einer redet streng wie ein enttäuschter Vater,
als wäre der Geschasste ein missrat‘ner Sohn,
und der bekäme jetzt nur den verdienten Lohn.

Zwei zeigen, wie Geschwister, sich eher betreten,
als würden sie gleich um die Zukunft flehn und beten.
Man erinnert an die Kämpfe, die man focht,
und tut so, als hätt man sich anfangs doch gemocht.
Dann kommt der vor die Tür gesetzte Missetäter,
und tut jetzt so, als wäre er nicht der Verräter,
sondern die andern hätten alles so geplant -
und zwar hinterhältig lange angebahnt.

Dann haut die Presse auf den einen oder andern.
Man liest die Kommentare alle durch und kann dann
daran erkennen, man kann alles anders sehn -
man muss dann nur ein bisschen an der Wahrheit drehn.
Was soll man davon halten und was dazu sagen,
wenn sich die Dinge unerwartet überschlagen,
auch wenn im Rückblick überraschend gar nichts kam,
der Lauf der Dinge einfach seine Richtung nahm.

Man könnt nun trauern und bedauern oder klagen -
oder begeistert feiern und zu jubeln wagen.
Die einen hoffen, andere bangen, was geschieht,
wenn man den Stöpsel aus der Badewanne zieht.
Ist das Wasser aus der Wanne abgelaufen,
muss man nicht gleich ne neue Badewanne kaufen.
Doch eh man dann am Wasserhahn dreht an der Wand
säubert man besser gründlich erst den Wannenrand…

© 2024 Gerd Schinkel