Erschrocken schaute ich ihn an. Was hatte ich gemacht, dass er jetzt wütend auf mich war? Als Justin meinen Gesichtsausdruck sah, entspannten sich seine Kiefermuskeln etwas und er legte mir eine Hand an meine Wange. „Wieso bist du jetzt wütend auf mich?“, brachte ich heraus, auch wenn mein Herz angefangen hatte unkontrolliert zu pochen. Endlich verzogen sich Justins Lippen zu einem Anflug eines Lächelns. Sanft fuhr er mit seinem Daumen über meine Unterlippe, was meinen Atem zum Stocken brachte. Ich hatte vergessen was für eine Auswirkung er auf mich hatte. Schließlich antwortete Justin mir: „Ich bin nicht auf dich wütend Selena. Sondern auf mich.“ Abwartend sah ich ihn an, während ich versuchte meinen Atem wieder unter Kontrolle zu bekommen. Wieder löste Justin sich von mir, was ich nur widerstrebend zuließ. Er ließ sich rücklings auf sein Bett fallen und sagte schließlich: „Ich bin wütend auf mich, weil ich dich so lange alleine gelassen habe. Und dass ich dich auch noch schwanger alleine gelassen habe, macht mich nur noch wütender.“ Da er nicht weiter redete, hakte ich schließlich nach. Ich wollte endlich eine vollständige Erklärung von ihm hören. „Wieso hast du dich so lange nicht gemeldet?“ Ich hörte die Verletztheit und Wut aus meiner Stimme heraus und tadelte mich selbst dafür, dass ich mich nicht besser unter Kontrolle hatte. Aber Justins Nähe brachte mich, nachdem ich ihn so lange Zeit nicht gesehen hatte, total durcheinander. Justin gab ein lautes Seufzen von sich. „Meine Mutter hat mir Hausarrest gegeben, nachdem die Schule bei ihr angerufen hat. Weil ich ja ein paar Tage geschwänzt habe um mit dir etwas zu unternehmen. Sie hat mir mein Handy weggenommen. Ich durfte nicht mal alleine zur Schule und wieder zurück fahren! Ich habe mich gefühlt wie ein Sträfling! Und weil ich mehrmals versucht habe an mein Handy zu kommen, hat meine Mutter den Hausarrest jedes Mal wieder verlängert…“ Sprachlos ließ ich mir seine Worte durch den Kopf gehen. Drei Monate lang war ich fast jeden Tag aus meinen Albträumen aufgeschreckt und hatte gequält die Tage herunter gezählt. In mir drin hatte sich eine gewaltige Wut auf Justin aufgestaut und jetzt gab es eine so einfache Erklärung. Es war als hätte mir jemand ein gewaltiges Gewicht von den Schultern genommen und ein leises Lachen entschlüpfte meinen Lippen. Mein erstes Lachen seit drei Monaten. „Und wieso bist du dann wütend auf dich? Und nicht auf Pattie?“, fragte ich schließlich. „Weil ich öfter hätte versuchen sollen dem Hausarrest irgendwie zu entkommen. Um dich zu sehen.“ Seine Worte lösten einen erneuten Schwarm von Schmetterlingen in meinem Bauch aus. „Justin, hör auf dir Vorwürfe zu machen!“, erwiderte ich bestimmt als ich mich auf seinen Bauch setzte und ihm tief in die Augen blickte. Er erwiderte meinen Blick mit leuchtenden Augen und fragte: „Das heißt du bist mir nicht mehr böse?“ Lächelnd schüttelte ich den Kopf. „Und wir sind immer noch zusammen?“, fragte er weiter. Statt ihm eine Antwort zu geben legte ich meine Lippen endlich sanft auf seine.
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