Saal 4
Anja Fröhlich, Museumsleiterin:
„Wir befinden uns nun in Saal 4 und dieser Saal ist insofern etwas Besonderes, denn alle Werke, die wir hier sehen sind gewalzt.“
Pasquay:
„Ich habe also begonnen Pentaptichen zu machen, das sind Serien aus fünf Bildern, in denen ein gewisser Ablauf stattfindet. Wir lesen von links nach rechts und deswegen werden die auch von links nach rechts zu sehen sein. Die Pentaptichen geben auch mal zum Denken Anstoß.“
Fröhlich:
„Wenn man den Saal betritt und sich nach rechts wendet, sieht man gleich zwei Serien von 15 Bildern und die haben ja einen ganz speziellen Hintergrund, denn sie sind durch ein Weltereignis ausgelöst worden.“
Pasquay:
„Das war damals, in Hongkong, wo eine wunderbare bestehende Ordnung zerstört wurde. Da sind die Spuren an der Einzäunung, entstanden durch die Einpferchung der Menschen, dargestellt. An solchen Spuren, die die Gewalt abbilden, kann man ablesen, wie es den Menschen ergangen ist, die damit eingezäunt waren. Ein Lichtblick ist vielleicht, dass eine Betrachterin das anders sah: ‚Bei dem zerstörten Zaun unten, da sind sie ausgebrochen‘.“
Fröhlich:
„Ja, aber das Besondere ist ja, dass, auch wenn Hongkong jetzt schon ein bisschen zurückliegt, das Thema trotzdem immer noch aktuell ist. Denn wir haben immer noch Zäune auf der Welt, vor allem auch in Europa, und man kann natürlich nicht nur eingesperrt, sondern ausgesperrt sein. Da haben wir viele verschiedene Thematiken, zum Beispiel eben auch an den EU-Außengrenzen. Wenn man sich ansieht, wie dort die Menschen ausgesperrt werden und dort behandelt werden, oder dann eben durchbrechen. Man hört ja auch immer regelmäßig, dass in den Exklaven auf dem afrikanischen Kontinent die Menschen versuchen, durch die Zäune durchzubrechen. So ist es eigentlich mit vielen dieser Bilder, die einen Denkanstoß geben und der Betrachter sich seine Gedanken dazu macht, wie es in der Welt ausschaut und wie irrational es zugeht. Eine weitere Dreierserie die zum Nachdenken anregen soll, befindet sich auch an der rechten Wand gleich links von den zwei 15er Gruppen.“
Pasquay:
„Ja, rein äußerlich sieht man die Zeichen des männlichen und des weiblichen Geschlechts in Unordnung geraten. Entstanden ist das Bild bei der #meToo-Bewegung, wo offensichtlich geworden ist, wie Männer Frauen misshandeln. Aber das ist nicht die einzige schlimme Sache, sondern das zieht sich durch, von #meToo bis zur Kopftuchbewegung. Es ist sehr, sehr schlimm, dass in unserem Jahrhundert immer noch Unterschiede gemacht werden nach Geschlecht der Person oder der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe.“
Fröhlich:
„Hier in Saal 4 auf einem Sockel haben wir auch die schon viel besprochenen Walzen. Man sieht schon, sie sind unterschiedlich in Größe und Form. Manche sind so groß, dass man wirklich, wahrscheinlich mit beiden Händen, sehr viel Druck ausüben muss, während man sich andere fast in die Hosentasche stecken kann.“
Pasquay:
„So ist es. Da liegt mein Handwerkszeug, das mich also schon fünf Jahrzehnte begleitet. Die mittelgroße Walze im Vordergrund ist die allerälteste, die ich mir als Student vom Mund absparen musste, da sie sehr teuer war. Aber ich bin froh, dass ich eben auf dieses Werkzeug gekommen bin. Später dann habe ich sie durch etwas schmaler Walzen ergänzt, zum Beispiel die rechts, mit der das Silberband im Saal 2 entstanden ist. Oder die Riesenwalze mit der man große Hintergründe komplett bearbeiten kann. Für bestimmte Bilder habe ich Walzen selbst angefertigt. Die hier ist aus einem Wasserleitungsrohr gebaut. Dann sind Zahlen aus Moosgummi draufgeklebt, und das alles nur für ein einziges Bild.“