Anja Fröhlich (Museumsleiterin):
„Wir befinden uns in Saal 2 und hier kommt etwas Wichtiges zum Tragen, nämlich, dass es auf den Blickwinkel der Besuchern ankommt und so jeder selbst mit den Objekten interagieren kann. Gehen sie ruhig um die von der Decke herab gehängten Opart-Arbeiten herum, probieren sie aus, gehen sie mal in die Knie oder stellen Sie sich auf die Zehenspitzen und entdecken, wie dieser unterschiedliche Blickwinkel tatsächlich die Arbeit verändert.“
Pasquay:
„Die einzelnen Objekte bestehen aus 4-Kant-Stäben, die auf allen 4 Seiten mit Farbe bewalzt sind. Wenn man sich daran vorbei bewegt, oder sie frontal anschaut, entstehen unendlich viele Bilder.“
Fröhlich:
„Wenn man Saal 2 betritt und sich nach rechts wendet, steht man gleich vor einem sehr langen Bild, das aus 8 Tafeln besteht und auch 8 Tafeln heißt.“
Pasquay:
„Richtig, diese acht Tafeln stellen die Zahlenreihe von Leonardo Fibonacci dar.“
Fröhlich:
„Leonardo Fibonacci lebte vor ungefähr 800 Jahren und war ein Mathematiker. Nach ihm benannt ist die Fibonacci-Folge oder die Fibonacci-Zahlenreihe. Sie basieren darauf, dass ausgerechnet werden sollte, wie sich Kaninchen vermehren. Erst viel später stellte sich heraus, dass diese Folge ganz unerwartet in anderen mathematischen Problemen auch eine Rolle spielt, etwa beim goldenen Schnitt, oder beim Pascalschen Dreieck und dass zum Beispiel auch die Verästelung bei Bäumen gewöhnlich diesem Bildungsgesetz folgen.“
Pasquay:
„Die Zahlenreihe beginnt mit 1 und 1, daraus wird 2 addiert und dann 1 und 2 mit dem Ergebnis 3, 3 und 2 ist 5, 5 und 3 gibt 8, usw., usw.. Das geht endlos in der Richtung entlang. Wenn wir die anderen Objekte, die ich Opart-Objekte nenne, anschaut, sieht man plötzlich wieder den Fibonacci drin.“
Fröhlich:
„Besonders faszinierend an den 8 Tafeln ist vor allem der wie ein Hauch über dem Bild liegende Silberschein, der eben diese Fibonacci-Folge darstellt und diesen wirklich wunderbaren Effekt haben sie durch das Arbeiten im nassen Zustand erreicht, das ist der große Vorteil von Ölfarbe.“
Pasquay:
„Ölfarbe bleibt ziemlich lange offen, das heißt, wenn man drüber arbeitet, dann vermischen sich die Farben untereinander. Die Transparenz macht sehr viel aus, dann schwebt das Band praktisch vor dem Bild und das war beabsichtigt. Es freut mich sehr, dass es gelungen ist.“
Fröhlich:
„Vielen bereits von unserem Plakat bekannt, ist hier im Saal 2 die Helix.“
Pasquay:
„Die Helix ist in einer Sternstunde der Globalisierung entstanden. Damals haben auf der ganzen Welt Wissenschaftler zusammengeholfen, das menschliche Genom zu entschlüsseln. Die Helix habe ich mehr oder weniger in der Öffentlichkeit aufgebaut, also in meinen Galerieräumen zwischen zwei Ausstellungen. Da gab es Reaktionen des Publikums, die als erstes moniert haben, dass eine Helix die Achse senkrecht haben müsse. So war es in den Zeitungen das menschliche Genom abgebildet. Dann habe ich gemeint: ‚wenn die Achse senkrecht läuft sehe die Helix relativ langweilig aus. Wenn die Achse waagrecht läuft, kann man unendlich tolle Bilder entwickeln, jeder Betrachter durch den verschiedenen Standpunkt den er selbst wählen kann‘.“