Reporterin Marianne Lettl:
„Emotion, Ausdruck, Form, Linienführung und Perspektive, mit all diesen Elementen spielt Johannes Pasquay schon seit er klein ist. Er ist leidenschaftlicher Künstler. In seiner Ausstellung Retrospektive im Deggendorfer Stadtmuseum stellt er momentan einige seiner Werke aus. Dabei erzählen sie die Geschichten aus dem Leben des 70-jährigen. Auch Werke aus der Zeit seines Kunststudiums in München sind ausgestellt.“
Künstler Johannes M. L. Pasquay:
„Da war unser Problem, das viele Maler haben: ein zeitlich begrenztes Ereignis in 3-D auf ein 2-D-Blatt zu bekommen. Diese Aufgabe war beim Aktzeichnen, in dem Fall allein mit Linien, zu bewältigen. Man kann Tiefen mit Farben, mit Grauschattierungen erreichen, und da war die Linie gefragt.“
Marianne Lettl:
„Dabei geht es in vielen seiner Werke um viel mehr als Linien. Manche haben auch eine sozialkritische Botschaft.“
Pasquay
„Die Gleichstellung aller Menschen, das ist die christliche Botschaft, und die ist leider nicht verwirklicht. Da braucht man gar nicht auf die anderen herunterzublicken, auf die Muslime, oder sonst jemanden. Was mich persönlich stört, ist Gendern. Das kommt mir so vor, als würden wir bei diesem Stich ins Herz ein Heftpflaster draufkleben. Das ist für mich eine Verharmlosung dieser ungeheuerlichen Problematik.“
Lettl:
„In seiner Ausstellung wird es aber noch persönlicher, denn oft war die Kunst auch ein Ausweg für ihn, aus einem dunklen Loch, ein Weg mit dem er Geschehenes verarbeiten konnte.“
Pasquay
„Das waren also sieben Jahre schwerster Depression, wo man gemeint hat, es gäbe nur einen einzigen Ausweg, dass man endlich stirbt.“
Lettl:
„In dieser Zeit hat er an einem sehr großen Bild gemalt, in dem er seine Ängste und Sorgen verarbeitet hat. Allerdings sah er das große Bild jedes Mal, wenn er in sein Atelier ging. Das hielt er nicht länger aus, machte ein Foto von dem Gemälde und warf es kurzerhand weg. In Zukunft zeichnete er dann in ein Skizzenbuch, denn das konnte er schließlich einfach schließen, wenn er nicht mehr damit konfrontiert werden wollte.“
Pasquay
„Zu dieser Ausstellung habe ich überlegt – diese sieben Jahre sind immerhin zehn Prozent meines Lebens - soll ich das zeigen, was damals war? Ich bin jetzt der festen Überzeugung, dass es richtig war. Ich habe das erste Mal wieder das Skizzenbuch aufgeschlagen, habe die einzelnen Seiten rausgetrennt und sie gerahmt, und zeige sie hier.“
Lettl:
„Dabei haben diese Skizzen zwei Botschaften: erstens die immense Kraft die Kunst hat. Schließlich hat ihm die Kunst besser gegen die Depressionen geholfen als jegliche Tabletten.“
Pasquay
„Die zweite Botschaft: man kann die Depression überwinden, wie jede Krankheit. Ich wäre nicht der Mensch heute, der glückliche Mensch, der ich jetzt bin, wenn ich dieses Tief nicht durchgemacht hätte. Das möchte ich jedem mitgeben: durchhalten, durchhalten, durchhalten! Die Krankheit ist besiegbar!“
Lettl:
„Nach sieben Jahren hat er es dann geschafft, seine Depressionen zu überwinden. Mit ihm hat sich aber auch immer seine Kunst weiterentwickelt. Er hat sich nie auf ein spezielles Material, oder eine bestimmte Technik festgelegt. Ganz egal ob Siebdruck, Radierung oder Prägedruck, er hat schon Vieles ausprobiert. Für den Prägedruck hat er sich sogar selbst eine Presse aus einem Wagenheber gebaut.“
Pasquay
„Das Logo dieses Senders möchte ich jetzt gerne mal als Prägedruck drucken. ... Es gelungen, es müsste noch ein bisschen aufgespannt werden zum Trocknen, dass es sich nicht hinterher wirft.“
Lettl:
„So vielfältig wie seine Kunst ist, so sind auch die neuesten Kunstwerke nicht mit den anderen vergleichbar. Diese Skulpturen sind so konzipiert, dass man aus verschiedenen Perspektiven unterschiedliche Bilder entdecken kann. Außerdem hat er sich bei diesen an der Fibonacci-Folge orientiert. Benannt ist die nach dem Mathematiker Leonardo Fibonacci.“
Pasquay
„Der wollte damit eigentlich das Wachstum einer Kaninchenpopulation beschreiben. Wie sich dann später herausstellte, hat dieser Fibonacci eine Formel gefunden, mit dir die ganze Harmonie der Natur zu beschreiben ist. Von der Ananas-Schale bis zum Wachstum von Ästen verläuft alles nach den Fibonaccizahlen.“
Lettl:
„Die Ausstellung erzählt also von den verschiedensten Facetten aus seinem Leben, ganz egal, was er auch schon in seinen 70 Jahren erlebt hat. Eines ist ihm dabei ganz klar geworden:“
Pasquay
„Kunst ist für mich ein Lebensmittel. Ich kann mich in der Kunst ausdrücken, ich kann in der Kunst alle mir begegnenden Sachen bewältigen und verarbeiten. Das ist also das Hauptanliegen, das ich habe, und ich möchte ohne Kunst nicht sein.“
Lettl:
„Grundsätzlich beschreibt sich Johannes Pasquay inzwischen als sehr glücklichen Menschen. Er schafft es endlich wieder, das Leben in vollen Zügen zu genießen, und dankbar zu sein, für jeden Tag, jede Stunde, jede Minute.“