Saal 1
Anja Fröhlich, Museumsleiterin:
„Wir befinden uns jetzt im Saal 1. Wenn Sie sich vom Eingang nach rechts wenden, sehen sie verschiedene Zeichnungen. Es handelt sich bei allen Zeichnungen um Akte.“
Pasquay:
„Bei unserem Studium - und das liegt schon ein halbes Jahrhundert zurück - wurde neben der Theorie, wie Morphologie und Wahrnehmungspsychologie, sehr großer Wert auf die praktische Ausbildung gelegt. Bei diesen Aktzeichnungen sieht man auf den ersten Blick: es geht nicht um Erotik und es geht nicht um die Darstellung einer bestimmten Person, sondern das Problem ist, ein 3-D-Objekt auf ein 2-D- Blatt zu bringen. Man sieht hier Hilfskonstruktionen ...“
Fröhlich:
„... das fällt vor allem bei den männlichen Akten mit Rötelstift auf ...“
Pasquay:
„... die Person ist in einen Kubus eingebaut und dadurch kann man Tiefe erkennen.
Die zwei Akte auf der linken Seite ...“
Fröhlich:
„... es handelt sich dabei um die 2 kleineren Zeichnungen ganz links am Fenster ...“
Pasquay:
„... die mit der Rohrfeder gezeichnet sind, nur durch Licht und Schatten in bestimmte optische Tiefe gebettet, sind praktisch auf zwei Stufen begrenzt.“
Dann geht's weiter ...“
Fröhlich:
„... auf der rechten Seite gleich rechts vom Eingang die 3 Bilder untereinander ...“
Pasquay:
„... da hat sich dann die Linie vom Akt gelöst, es geht also nur um eine Linie die eine bestimmte Richtung einschlägt, die abknickt, die umbiegt und dadurch vollkommen neue künstlerische Möglichkeit ergibt.“
Fröhlich:
„Wendet man sich, vom Eingang aus gesehen gleich nach links sehen Sie an der langen Wand drei Dreiergruppen mit Walzenbildern.“
Pasquay:
„Das hat auch schon vor 50 Jahren angefangen, dass ich zum Farbauftrag Walzen benutzt habe. Ein Pinsel hinterlässt Pinselspuren (heute gibt es viele Künstler die in ihren Bildern nur Pinselspuren darstellen, also die Struktur des Pinsels ist dort das Wichtigste) das wollte ich nicht, ich wollte bestimmte Farbflächen vollkommen ohne Struktur haben, und ich wollte Farbflächen haben wo ich die Textur bestimmen kann, und das ist hier geschehen, in diesen Bildern.“
Fröhlich:
„Hier im Saal 1 befinden sich eine ganze Reihe Prägedrucke aus unterschiedlichen Jahren. Manche können sich vielleicht noch daran erinnern, dass im Jahr 2018, zur vierten Papier Global der internationalen Papierausstellung, auch in der Galerie Pasquay schon Prägedrucke zu sehen waren. Aber 2018 war eben nicht das erste Mal, dass sie, Herr Pasquay, mit Prägedruck gearbeitet haben.“
Pasquay:
„Nein, schon in den frühen 80er-Jahren habe ich Prägedrucke angefertigt.“
Fröhlich:
„Die Prägedrucke sehen sie links von der Fensterfront an der kurzen Wand.“
Pasquay:
„Die ältesten sind ganz links zu sehen, und man sieht hier die Druckplatte an der linken Seite, die besteht aus Schleifpapier als Rahmen und Wellpappe innendrin. Diese Druckplatte ist dann gleich rechts daneben als ein Prägedruck-Beispiel dargestellt.“
Fröhlich:
„Wenn sie sich nach rechts wenden, sehen Sie auf einem Sockel verschiedene Objekte zum Thema Prägedruck.“
Pasquay:
„Beim Prägedruck ist es sehr interessant, dass man nicht spiegelverkehrt denken muss, wie zum Beispiel beim Linolschnitt oder ähnlichen Drucken, sondern bei diesem ‚Litttle Splash‘ sind der Druck und die Druckplatte in der gleichen Richtung. Ausnahme bildet hier der Stadtkern Deggendorf, denn das was geprägt worden ist, sind die Straßen und die müssen eigentlich unten sein. Deshalb ist der Abdruck spiegelverkehrt. Aber das ist egal, der Druck ist ja auf jeder Blattseite sichtbar.
Das was in dem Buch ist: da hat mich die Zählweise der Inkas, die erst in den vergangenen Jahren entschlüsselt worden ist und als Knotenschrift entstanden ist, interessiert. Am einfachsten Waren für mich diese Knoten mit einem dünnen Draht nachzubilden.“
Fröhlich:
„Den fertigen Druck können sie an der kurzen Wand links von Ihnen sehen es ist der zweite von links in der Reihe der sieben Prägedrucke. Zwischen Wand und Sockel sehen wir auch im Endeffekt eines der wichtigsten Werkzeuge, um so einen Prägedruck dann tatsächlich durchzuführen und das ist tatsächlich selbst gebaut?“
Pasquay:
„Ja ich habe im Internet recherchiert und wollte eine Stockpresse. Aber da hat es mit 4000€ angefangen, und da habe ich mir gedacht, nein das kann ich mir leider nicht leisten, und bin dann draufgekommen selbst eine Presse zu bauen und hab im Auto Zubehör einfach einen Wagenheber gekauft, der zwei Tonnen Druck herbringt, das ist schon eine enorme Sache. Dann habe ich das Stahlgestell gebaut und mit den Filz- und Stahlplatten habe ich ein Gerät, das hervorragende Prägeergebnisse ermöglicht.“
Fröhlich:
„Zwischen den ersten Prägedrucken und den neusten Prägedrucken haben wir hier jetzt aber noch eine neunteilige Serie.“
Pasquay:
„Die besteht wieder nur aus weißem Papier, allerdings ist das Papier in verschiedenen Schichten aufgebaut, und mein Anliegen, dass der Betrachter je nach Stellung und je nach Blickwinkel sein eigenes Kunstwerk bauen kann, ist da verwirklicht.“