A growing body of research indicates that bodily sensations, postures, and movements significantly influence one’s emotional reaction towards certain situations or objects. On this background, I pro-pose a model of embodied affectivity: It conceives emotions as resulting from the circular interaction between affective qualities or affordances of a given situation and the sub¬ject’s bodily resonance (sensations, postures, expressive movements). Motion and emotion are thus intrinsi-cally connected: one is moved to move. Through its resonance, the body functions as a medium of emotional perception: it colours the experiential field with affective valences while it remains itself in the background of one’s own awareness. I will then apply this model to empathic social understanding or interaffectivity which may be regarded as an intertwinement of two cycles of embodied affectivity, I conclude with considerations of how embodied affectivity is altered in psy-chopathology and can be addressed in psychotherapy of the embodied self.
Bewegung und Gefühl. Verkörperte Affektivität
Die zunehmende Forschung zum „Embodiment“ belegt, dass leibliche Empfindungen, Haltungen und Bewegungen unsere emotionalen Reaktionen auf Situationen und Objekte wesentlich beeinflussen. Vor diesem Hintergrund entwickelt der Vortrag ein Modell verkörperter Affektivität: Es betrachtet Gefühle als Ergebnis einer zirkulären Interaktion zwischen den affektiven Qualitäten oder „Affordanzen“ einer gegeben Situation und der leiblichen Resonanz des Subjekts (leibliche Regungen, Haltungen, Aus¬drucksbewegungen). Bewegung und Emotion sind in diesem Gefühlskreis untrennbar verknüpft: von Gefühlen werden wir „bewegt, uns zu bewegen“. Durch seine Resonanz fungiert der Körper als Medium der emotionalen Wahrnehmung: er färbt oder tönt das Bewusstseinsfeld mit affektiven Qualitäten, während er selbst im Hintergrund des Bewusstseins bleibt. Anschließend wird das Modell auf das primäre empathische Verstehen bzw. die Interaffektivität angewandt, die sich als Verschränkung zweier Gefühlskreise auffassen lässt. Der Vortrag von Prof. Dr. med. Dr. phil. Thomas Fuchs, Psychiater und Philosoph, Karl-Jaspers-Professor für philosophische Grundlagen der Psychiatrie und Psychotherapie an der psychiatrischen Klinik der Universität Heidelberg, schließt mit Überlegungen zu Störungen verkörperter Affektivität in der Psychopathologie und zu ihrer körperorientierten psychotherapeutischen Behandlung.
Prof. Dr. med. Dr. phil. Thomas Fuchs, Psychiater und Philosoph, Karl-Jaspers-Professor für philoso-phische Grundlagen der Psychiatrie und Psy¬chotherapie an der psychiatrischen Klinik der Universität Heidelberg
Museum Folkwang (21.9.2018)